Welche Dinge braucht der Mensch?

Leo Babauta
Glückskäfer

Flüchtige Begegnung       Foto © la.Gabrie/photocase

Seit Jahren schon versuche ich, alles Unnötige aus meinem Leben zu entfernen – so auch in diesem Jahr.
Tja, ich weiß schon: Jetzt werden Sie das lesen und denken, dass ich mich jeder Freude in meinem Leben beraube – aber das ist nicht wahr.
Also, ich werde Ihnen das erklären.

Die erste Frage bei diesem Vorhaben lautet natürlich: Was bedeutet "unnötig"? Dafür müssen wir zunächst untersuchen, welche Dinge notwendig sind ... und die erste Frage bei dieser Untersuchung lautet: "Notwendig wofür?" – Was ist das wahre Ziel? Meine Antwort, die sich von denen anderer Menschen unterscheidet, lautet: "Notwendig für ein glückliches Leben".

Diese Definition umfaßt also einige Dinge jenseits der Grundbedürfnisse Kleidung, Wohnung und Nahrung.
So brauche ich zum Beispiel für das reine Überleben keine gute Beziehung zu meiner Frau, aber doch ist sie notwendig für mich, um im Leben glücklich zu sein (habe ich herausgefunden).
Dasselbe gilt für meine Kinder. Um glücklich zu sein, muß ich eine gute Beziehung zu Ihnen haben, sie glücklich wissen und Zeit mit ihnen verbringen.
Aber das bedeutet nicht, daß alles, was ich mit ihnen unternehme, als notwendig angesehen werden kann. Ich kann mit meinen Kindern glücklich sein, wenn ich mit ihnen einfach in einen öffentlichen Park gehe – ich muß ihnen nicht andauernd etwas kaufen oder zur Unterhaltung teure Dinge unternehmen (wie Kino, Shopping oder Freizeitparks).
Ähnlich ist es mit dem Essen: Wir müssen essen, aber wir müssen kein Junkfood essen. Nun ja, sie könnten nun erwidern, dass Süßigkeiten oder Pommes Sie glücklich machen. Genau das führt uns zum Kern dieser ganzen Übung: Braucht man wirklich etwas, um glücklich zu sein? Und mehr noch, braucht man es jeden Tag oder kann es ein gelegentlicher besonderer Genuß sein?

Kaffee und Schokolade sind zwei Beispiele aus jüngerer Zeit. Ich liebe beide, und zwar sehr. Aber ich bin süchtig nach ihnen (aufgrund des Koffeins), und das hat zur Folge, daß ich sie öfter möchte, als ich sie wirklich brauche, um glücklich zu sein.
Deshalb versuche ich, sie wegzulassen, wenigstens im Moment. Ich denke, später einmal, wenn ich die Gewohnheit losgeworden bin, kann ich mir diese Dinge ab und zu als etwas Besonderes gönnen, ohne süchtig nach ihnen zu werden.

Andere Dinge, die ich weglassen kann (außer als besonderes Vergnügen):
• Ins Kino gehen (ich tue das nur noch selten)
• Süßigkeiten, wie Teilchen oder Kuchen oder Bonbons (jetzt seltener, aber immer noch eine Hauptversuchung)
• Spielzeug (... und Spielereien, die viel Spaß machen, aber nicht nötig sind – wie ein MP3-Player)
• neue Bücher (ich versuche neuerdings, sie gebraucht zu kaufen oder zu tauschen)
• Essen gehen (ich habe versucht, das weniger zu tun, aber erliege immer noch häufiger der Versuchung als ich sollte)

Und ein paar Dinge, über die ich noch nachdenken muß:
• Kabelfernsehen (ich habe das an meinem Arbeitsplatz – es ist schön, es zuhause zu haben, aber ich bin sicher, daß es nicht nötig ist)
• Handy (ich benutze es nicht sehr oft - es ist bequem, aber es kommt selten vor, daß ich es wirklich brauche)

Alles in allem habe ich schon eine Menge weggelassen, und es geht mir sehr gut mit der Einfachheit, die ich bisher erreicht habe. Es gibt noch eine Menge mehr zu tun – aber ich genieße den Prozess, nicht das Ergebnis.



Dieser Artikel stammt von Leo Babauta, er wurde erstmals auf seiner Website zenhabits.net unter dem Titel What is truly necessary? veröffentlicht. Sein täglicher (englischsprachiger) Newsletter bietet eine Vielzahl von wertvollen Anregungen. Übersetzung: Dirk Henn.

Kommentare

Ich könnte, ich sollte, ich müsste

Dass tut bestimmt sehr gut, wenn man überflüssige Dinge weglassen kann, und sich auf das konzentriert, was man zum Glück braucht. Mir scheinen allerdings die vielen Vorsätze bzgl. Dingen auf die man lieber versichten möchte, oder sollte können leicht zur Verkrampfung führen. Wenn du etwas mit dem Herzen erkannt hast, wird es dir leichter fallen, es zu tun, bzw. etwas nicht mehr zu tun. Du wirst es nicht mehr brauchen und das wars. Ohne Krampf, ohne Entsagung. Bist dahin: Schau dir an, warum du so lebst, wie du lebst. Es hat einen Grund.

Aufrechtes Bemühen

Lieber unbekannter Gast,

du scheinst ja eine große Angst vor Verkrampfung zu haben ... doch eines gewissen Maßes an Anstrengung und Orientierung bedarf es schon, wenn wir unser Verhalten grundlegend ändern wollen. Dessen werden wir nicht enthoben...

Verschwendung macht Sinn

Ich glaube, dass Balance in dieser Frage sehr wichtig ist! Wer sich den Tag und seine Wohnung und sein Leben vollstopft, dem tut eine Entschlackung gut.
Wer aber sparsam, enthaltsam, darbend ist - sich für jede "Verschwendung" geißelt - der ist auch nicht im Fluss des Gebens und NEHMENS, der ist sich selbst gegenüber geizig und zu zurückhaltend.
Jedem also das, was für ihn angesagt ist.
Magst du einen Artikel zu deinen Gedanken im Magazin für Lebenslust veröffentlichen? Das ist ein Mitmachmagazin für die Seele - und vielleicht hilft dir persönlich dein Motto "Weniger ist mehr" ja dabei, lebenslustiger zu sein? (http://www.mondamo.de/lebenslust)

Ansonsten kann ich auch noch die denkanstöße-Artikel zum Thema Verschwendung (auch im positiven Sinne) empfehlen: http://denkanstoesse.de/magazine/180-Magazin%20Ausgabe%203%20-%20Verschw...

Smartphone

Ich habe mir vor kurzem ein Smartphone gekauft, gebraucht, bei ebay - es hat nicht so viel gekostet (d.h. ca. 120 €).
Seit längerem denke ich darüber nach, ob das eine gute Entscheidung war. Ich weiß, dass so etwas nicht notwendig ist. Dennoch ist das Gerät sehr praktisch. Ich kann unterwegs (in öffentlichen Verkehrsmitteln) z.B. Nachrichten lesen. Das ist etwas, was ich gerne mache und so halte ich mich auch auf dem neuesten Stand. Mehrmals wöchentlich lese ich unterwegs Nachrichtenmagazine.
Schon bevor ich mich entschieden habe, dieses Gerät zu kaufen, habe ich ich über Vor- und Nachteile nachgedacht.
Ich muss dazu sagen, ich hatte wirklich jahrelang ein (übrigens für knapp 10 € bei ebay ersteigertes) altes Siemens-Handy, das eigentlich bis heute tadellos funktionert.
Oft fahre ich übrigens auch Zug und es ist wirklich sehr hilfreich, den Fahrplan der DB (vor allen Dingen, wenn es Probleme mit Verspätungen gibt) kurz einsehen zu können.
Ihr habt schon bemerkt, ich bin mir bis heute nicht so sicher ob mich das Gerät so glücklich macht, dass seine Anschaffung gerechtfertigt ist. Zumindest ist es keine "totale Konsumentscheidung" gewesen, da ich mir auch vor dem Kauf viele Gedanken gemacht habe.

Freiheit von ...

schenkt Freiheit für ...
Unabhängig sein von Fersehen, um das Naheliegende zu sehen und zu bedenken und zu verändern ...

Da gibt es auch bei mir noch Kapazitäten, obwohl ich weder Fernseher, noch Auto, noch Handy habe ...

Je weniger wir besitzen...

desto zufriedener werden bzw. sind wir. Das ist inzwischen meine Überzeugung.

Jeder sollte sich einmal die Frage stellen "Was brauche ich, um glücklich zu sein?". Dabei setze ich voraus, dass ich ein Dach über dem Kopf habe, was zum Essen, ein Bett zum Schlafen, was zum Anziehen (Basisklamotten) usw.
Was ich dann noch brauche, um glücklich zu sein? Nicht mehr viel und schon gar nicht viel materielles: meine Familie, genügend Zeit für mich, Freunde, Bücher (die muss ich aber nicht besitzen, sondern kann sie auch leihen), Musik (dazu braucht's ein Radio, mein Klavier und meine Geige) und mein stinknormales Schnurtelefon mit Anschluss und meinen Computer mit Internetanschluss (um Kontakt zu halten).

Mehr brauche ich nicht. Auf den ganzen anderen Kram in meiner Umgebung könnte ich verzichten. Ich denke da vor allem an den ganzen Einrichtungskram. Vielleicht sollte ich mich mal wieder von ein paar Dingen befreien.

Birgit

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