slow
Langsam
Slow down... to enjoy life
Wege Foto © lama-photography/photocase
Ich lese für gewöhnlich keine weitergeleiteten Mails, aber heute habe ich eine bekommen, die meine Aufmerksamkeit erregt hat. Sie war von jemandem verfaßt, der bei Volvo in Schweden arbeitet, und er erwähnt, daß jedes Projekt in dem Unternehmen "zwei Jahre braucht, bis es ausgereift ist, auch wenn die Idee einfach und brillant ist. Das ist die Regel."
Anscheinend steht die schnell getaktete globale Unternehmenswelt, die sofort Ergebnisse sehen will, "in starkem Gegensatz zu den langsamen Bewegungen der Schweden. Sie debattieren vielmehr ohne Ende, halten zahllose Meetings ab und arbeiten nach einem Prinzip der Verlangsamung. Am Ende erzielen sie damit immer die besseren Ergebnisse."
Er erzählt folgende Geschichte:
Als ich das erste Mal in Schweden war, holte mich einer meiner Kollegen jeden Morgen am Hotel ab. Es war September, beißend kalt und es schneite. Wir kamen früh bei der Firma an und er parkte weit vom Eingang entfernt (2000 Mitarbeiter kommen mit dem Auto zur Arbeit). Am ersten Tag sagte ich nichts, auch nicht am zweiten und dritten. Dann fragte ich eines Morgens: "Hast du einen bestimmten eigenen Parkplatz? Mir ist aufgefallen, daß wir weit vom Eingang entfernt parken, auch wenn es sonst noch keine Autos auf dem Platz gibt."
An meinem Leben einen breiten Rand
Es gab Zeiten, in denen ich mich nicht entschließen konnte, die Blüte des Augenblicks irgendwelcher Arbeit des Kopfes oder der Hände zu opfern. Ich lasse gern einen breiten Rand an meinem Leben. An manchem sonnigen Morgen, nachdem ich mein tägliches Bad genommen hatte, saß ich vom Sonnenaufgang bis zum Mittag am sonnenbeschienenen Eingang meines Hauses, eingehüllt in Träume, inmitten der Pinien, Nussbäume und Sträucher, in ungestörter Einsamkeit und Stille, während die Vögel sangen oder geräuschlos durchs Haus flatterten, bis ich von der Sonne in meinem Fenster im Westen oder dem Geräusch eines Reisenden auf der weit entfernten Straße wieder an das Vergehen der Zeit erinnert wurde. In diesen Zeiten wuchs ich wie Mais in der Nacht und sie waren viel produktiver für mich, als es jede Arbeit meiner Hände je sein könnte. Es war keine Zeit, die meinem Leben genommen war, sondern so viel bedeutsamer und wichtiger als jede andere Zeit. Ich erkannte das, was man im Orient als Kontemplation und Nicht-Tun kennt.
Digitale Kompetenz
Überlebensstrategien im Zeitalter der Bits und Bites
Kommunikation analog Foto © luxuz::./photocase
Informationsstress ist ein wichtiges Thema, wichtiger als je zuvor – die Bits haben Einzug in unser Leben gehalten. Vor zehn Jahren hat es die US-Bürger vielleicht beunruhigt, wenn sich bei ihnen zuhause Berge von Zeitschriften und Zeitungen auftürmten. Doch heute, da sich in allen Bereichen unseres Lebens die Bits ausbreiten, wird aus der Beunruhigung Angst. E-Mails, Webseiten, Newsletter, Chatrooms, E-Mails, SMS und noch mehr E-Mails – all diese Ströme von Bits können uns aus dem, was wir gerade tun, herausreißen und auf Trab halten – überall und immer.
Geh es langsam an und genieße das Leben
Kein Hundeleben Foto © riot jane/flickr
Es ist eine Ironie modernen Lebens: Ständig erfinden wir zeitsparende Technologien – und dann nutzen wir die Zeit, um mehr und mehr Dinge zu tun. So sind unsere Leben weitaus atemloser und hektischer als jemals zuvor.
Das Leben bewegt sich in einem so schnellen Tempo, dass es ans uns vorüber zu ziehen scheint, bevor wir es überhaupt genießen können.
Doch das muss nicht so sein. Lasst uns gegen einen hektischen Lebensstil rebellieren, lasst es uns langsamer angehen!
Ein Leben in langsamerer Gangart bedeutet, Zeit zu schaffen, um die Morgende zu geniessen, anstatt in wilder Aufruhr zur Arbeit zu eilen. Das heißt, sich Zeit zu nehmen um das genießen, was immer man gerade tut – anstatt unaufhörlich mit dem Blackberry oder iPhone oder Laptop „connected“ zu sein, anstatt immerzu über Aufgaben, E-Mails und Arbeitsfragen nachzudenken. Das heißt „ein Ding zur Zeit“ zu tun, anstatt im Multitasking-Modus unaufhörlich zwischen einer Vielzahl von Aufgaben hin und her zu wechseln – ohne sich auf eine von ihnen wirklich konzentrieren zu können.
Verlangsamung ist eine bewusste Entscheidung, nicht immer eine einfache, doch sie führt zu einer größeren Wertschätzung des Lebens, zu mehr Fröhlichkeit und mitunter sogar Glück.
Auszeit
Vor zehn Jahren hatte ich meine letzte wirkliche Auszeit: Vier Wochen in einem kleinen griechischen Fischerdorf irgendwo unbekannt. Da habe ich die Wochen im Schatten des einzigen Baumes am Strand gesessen und nichts getan als auf das Meer zu schauen, zu dösen, abzuhängen, zu träumen, vielleicht auch ein bisschen nachdenken, alles sehr gelassen wie es eben gerade so kam, ein Leben ohne Uhrzeit: Aufstehen, wenn wach geworden, essen, wenn Hunger kam, ohne Rücksicht auf eine Tageszeit… Es war wunderbar! Nach drei Wochen war ich so synchronisiert und in einem so normalen eigenen Rhythmus, dass mir Flügel hätten wachsen können. So eine Auszeit wünsche ich mir mal wieder leisten zu können. Und ich glaube, alle Lebewesen sollten ab und an völlig befreit mal raus können von allem, so eine Art „Reset-Taste“ für das eigene Leben wiederfinden.
Lächelnd ganz präsent
Es nicht notwendig, andauernd zu schuften und die Dinge fortwährend voranzutreiben. Wenn du in lebendigen Situationen wach und offen bist, ist es ihnen und dir möglich, kreativ, schön, humorvoll und freudvoll zu sein. Diese natürliche Offenheit ist rechtes Bemühen - im Gegensatz zu allen alten Arten der Anstrengung. Rechtes Bemühen bedeutet, die Situation exakt so zu sehen, wie sie in genau diesem Moment ist, ganz gegenwärtig zu sein, freudvoll, mit einem Lächeln.
Wider besseres Wissen
Dunkle Zeiten für den Klimaschutz. Könnten wir im Namen unseres Landes die Stimme erheben, müssten wir den Ausnahmezustand erklären.
Mit dem nun beschlossenen Energiekonzept der Bundesregierung können wir nun noch jahrelang und unverblümt weiter wursteln wie gewohnt, auf Kosten der Substanz und ohne jeden Bezug zum ganzen Ausmaß des globalen Wandels, der sich gerade vollzieht. Das verbaut für Jahre viele der Wege, um die es hier auf dieser Website geht. Das stimmt mich traurig.
Es gibt keinen Anfang
Foto © Alice Holden
Ich habe mich hingesetzt und versucht, für meinen Blog zu schreiben. "Fang jetzt an!" ging es mir durch den Kopf.
Zum Nachdenken ging ich ins Gewächshaus und fand die erste reife Tomate dieses Jahres.
Mit beiden Beinen auf dem Boden war mir mit einem Mal am Beispiel des Wachstums klar geworden: Für die Prinzipien, die hinter einem wirklich nachhaltigen und organischen System stehen, gibt es keinen Start- und keinen Endpunkt. Ganz gleich, ob es um die Zersetzungsprozesse im Kompost oder um die Umwandlung der Nährstoffe geht, die zur Formation von Früchten führt. Der Anfang ist einzig und allein der Startpunkt, von dem aus man selbst den Kreislauf betrachtet.
Die vergessene Kunst der Einsamkeit
Zur Ruhe kommen Foto © Prato9x/flickr
Man muss kein Mönch sein, um Einsamkeit zu finden und auch kein Einsiedler, um sie genießen zu können.
Und doch ist Einsamkeit in diesen Zeiten der allumfassenden medialen Erreichbarkeit eine vergessene Kunst. Und während ich sehr wohl die Schönheit dieser globalen Gemeinschaft sehe, denke ich doch, dass es notwendig ist, sich regelmäßig von ihr zurückzuziehen.
Eine meiner liebsten Beschäftigungen ist es, am Rand des Meeres in Stille zu sitzen ... zu kontemplieren ... zu gehen … allein mit meinen Gedanken. Alle Verbindungen in die Aussenwelt für einen Moment unterbrechen und einfach schreiben … Ruhe finden, indem ich einen guten Roman lese ... indem ich ein einsames Bad nehme.
Verstehe mich nicht falsch: Ich liebe es, mit meinen Liebsten zusammen zu sein.
Das einfache Leben praktizieren
Neulich habe ich einen dreitägigen Workshop geleitet, der unter dem Motto „Die Praxis der Einfachheit“ stand. Als ich mich für den Titel der Veranstaltung entschied, habe ich das Wort „Praxis“ ganz bewusst gewählt.
Menschen, die ein einfaches Leben führen, betrachten sich selbst oft als Praktizierende. In dem Sinne, wie ein Arzt von sich behauptet, dass er als Mediziner „praktiziert“, mag ein Freund der Vereinfachung sagen, dass er Einfachheit praktiziert.
Und tatsächlich braucht ein einfaches Leben Praxis. Niemand geht in komplettem Chaos und Wirrwarr am Abend zu Bett und wacht am nächsten Morgen als Meister eines wohlgeordneten Wunderlandes auf. Wandel passiert nicht über Nacht, ihn zu erreichen und zu bewahren braucht auf jeden Fall Praxis.
Und doch ist Einfachheit an sich nicht der Sinn der Sache.
