Aufbruch ins Ungewohnte

Parkplatz himmelblau Foto © decar66/photocase
Seit mehr als 30 Jahren wissen wir, dass wir so nicht weiterleben können. Dass wir die Natur, die Grundlage unseres Lebendigseins, Zug um Zug vernichten. Und wir beginnen zu ahnen, dass der Preis materiellen Wachstums auch für unsere seelische Gesundheit zu hoch ist.
Warum nur gelingt es uns nicht Einhalt zu gebieten? Was läßt uns, jeden einzelnen von uns, straucheln? Ist es die Politik, die Globalisierung, die Wirtschaft, unsere Maßlosigkeit? Von allem wohl ein wenig.
Wir leben in einer Welt scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten. Unsere Wohnungen und Autos werden von Jahr zu Jahr größer und die Vielzahl an Kleidungsstücken, Einrichtungsgegenständen und technischen Raffinessen, mit denen wir uns umgeben, wäre noch vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Unser Konsum wächst an, wir produzieren mehr Güter und auch an unserem Arbeitsplatz erledigen wir oftmals mehr als jemals zuvor.
Gleichzeitig stoßen wir an unsere Grenzen. Wir können nur eine begrenzte Menge von Dingen konsumieren. Es macht nur Sinn, eine begrenzte Menge von Waren herzustellen. Und auch auf der Arbeit gibt es nur eine begrenzte Zahl von Stunden am Tag, die wir der Arbeit nutzen können.
Und mehr noch, unser rastloses Tun hat weitreichende Konsequenzen: Die Verwüstung unseres Lebensraums – ablesbar an Artenschwund und Klimawandel – wie auch die Verwüstung unserer Seelen – die uns als Burnout oder doch zumindest in Form des Gefühles droht, Tag für Tag einer milden Krankheit anheimgefallen zu sein, einer Sinnlosigkeit des eigenen rastlosen Tuns.
Doch es gibt ja noch uns, dich und mich. Da gibt es einen Spielraum, uns einer Kultur des Lebens zuzuwenden, bei uns, an diesem Ort, zu dieser Zeit. Denn wir sind die Welt, in der wir leben, so wie wir leben. Erst wenn und weil wir anders leben, können wir die Welt bewegen – Politik, Wirtschaft und Gemeinwesen neu gestalten und uns in lebendiger Form dienlich machen.
Das postfossile Zeitalter wird ganz anders aussehen müssen als unsere heutige erdölgenährte Lebensweise. Doch eine neue Welt, unausweichlich sich anbahnend, gibt uns auch die Möglichkeit, uns in unseren menschlichen Qualitäten neu zu erfinden. Krisen bieten immer auch die Möglichkeit, sich zu besinnen auf das, was unser Leben glücklich, kostbar und einzigartig macht. Und da habe ich mir gedacht: Das Thema ist doch mal eine Website wert! Tja, und hier ist sie...
Projekte, Ideen, Entwürfe
Lassen Sie uns also in den kommenden Wochen und Monaten ruhig anschauen, wie wir leben – und wie wir leben wollen. Der 52 Wege-Newsletter wird Sie mit neuen Ideen, Projekten und Entwürfen in Kontakt bringen. Er wird Wege des Wandels aufzeigen, einer fundamentalen Neuorientierung verpflichtet, die bei uns, bei jedem einzelnen von uns, anfängt. Abonnieren Sie den wöchentlichen Newsletter, damit wir gemeinsam nach neuen Wegen Ausschau halten können, wie wir gelassen und freundlich durchs Leben wandeln können. Und uns den Raum und die Zeit zurückerobern für die Dinge im Leben, die wir wirklich lieben.
Wirkliche Lösungen für eine lebenswerte Welt bestehen bereits. Es bedarf allein unserer Entschlossenheit und unseres Mutes, zuzupacken, die Gelegenheit beim Schopfe zu fassen und loszugehen. In Bewegung zu kommen.
Doch auf dem Weg lauern auch Fallgruben. Derzeit ist es in Mode, schnelle Antworten auf die drängende Frage zu finden. Ökobewusster Konsum a la Lohasguide oder Utopia scheint Lösungen für unsere prekäre Situation bereitzuhalten. Doch die Probleme liegen tiefer. Es reicht nicht mehr, sich mit bequemen Halbwahrheiten über Wasser zu halten. Denn es ist unser Lebensstil, mit dem wir die Erde innerhalb nur weniger Generationen unbewohnbar machen. Und da bietet grüner Konsum kaum eine Alternative. Es geht nicht um besseren grünen Konsum, es geht nicht um die neueste Generation von hocheffizienten Geräten und Hilfsmitteln. Es geht um so unermesslich viel mehr, denn es geht um uns. Unsere persönliche Entwicklung, die aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen und die Zerstörung unseres Planeten sind untrennbar miteinander verbunden.
Niemand von uns will die Erde vernichten. Wir alle wollen unser Leben, unseren Spaß und unseren Anteil am Wohlstand dieses Landes – zurecht. Doch auch Zukunftsfähigkeit hat einen Preis. Wir können nicht einfach weiterleben wie bisher, auch nicht effizienter oder irgendwie besser. Wenn wir Gesellschaft und Zusammenleben nicht von Grund auf neu angehen, werden wir unendlich viel verlieren. Der Klimawandel zwingt uns zu viel grundsätzlicheren Entscheidungen. Und das ist gut so.
Die Wahrheit ist: Wir haben uns an einen Lebensstil gewöhnt, der mehr und mehr zum Problem wird. Unmerklich, über die Jahre ist das Leben im materiellen Übermaß zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch Glück und Zufriedenheit, das ahnen wir, verweilen andernorts.
Begeben Sie sich mit uns auf die Reise
Also bedarf es der Besinnung – im wahrsten Sinne des Wortes: Wie wollen wir leben? Wie wollen wir hausen, wie speisen und reisen? Und was können wir in all diesen Lebensfragen jetzt, hier zum Besseren wenden?
Weltweit gibt es eine Vielzahl von Menschen, die sich in diesem Sinne auf die Suche nach neuen Lebens- und Arbeitsformen begeben. Die Stimmen dieser Menschen werden in unserem Newsletter zu Wort kommen und uns neue Wege aufzeigen. Als Nährboden für lebendiges Neues, Woche für Woche, 52 mal im Jahr.
Begeben Sie sich mit uns auf die Reise. Das Fahrtenbuch müssen wir uns in diesem Fall allerdings selber schreiben. Denn die Zeit der großen Antworten ist vorbei, ich glaube sogar, dass Ideologien noch nie wirklich funktioniert haben. Wir können uns nur auf den Weg machen, Schritt für Schritt immer wieder neu auf Kurs bringen.
Kommen Sie also mit? Begleiten Sie uns auf dem Weg zu neuen Ufern! Das würde mich sehr freuen. Ihre Kommentare und Anregungen sind dabei von unschätzbarem Wert!



Danke
Hallo,
ich wollte mich nur rasch einmal, für die Pflege dieser Website, bedanken. Ich habe den RSS-Feed jetzt seit einigen Monaten abonniert und freue mich immer, wenn es einen neuen Beitrag gibt (auch wenn es dann ab und an ein bisschen enttäuschend ist, wenn mich der Text dann nicht ganz so mit zu reißen vermag, wie der in der Vorwoche ;) ).
Die Übersetzungen, habe ich zumindest das subjektive Gefühl, werden auch immer besser: Wirkten die ersten (auf dieser Website) immer noch ein bisschen ängstlich an die englische Grammatik geschmiegt, scheinst Du Dich hier immer mehr zu trauen (das ist nur eine Beurteilung der deutschen Texte, die Originale lese ich meist nicht nocheinmal, nachdem ich die Übersetzung gelesen habe, weswegen ich die Qualität der eigentlichen Übersetzung hiermit ausdrücklich nicht bewerten will).
Auf jeden Fall: Vielen Dank für diese Seite & weiter so!
David
Betroffenheit ...
Wir gut, dass ich mal wieder meinen Namen in Google eingab und dadurch hierher kam ...
Ein Zelt hatte ich noch nie, ein kaputtrepariertes Bein hält mich auf engstem Raum, seit ich am 25. Januar den 1. Fahrradunfall meines Lebens hatte.
An einer Stelle war Blitzeis und rums. Ich saß mitten auf der Kreuzung und mein Fuß war nicht mehr da, wo Füße eigentlich immer sind; er hing hinter meinem Bein. Ich wurde aufgesammelt und mit Metallen geflickt, die ich nicht akzepieren wollte und konnte.
Aus einem einfach durchgebrochenen Wadenbeinknochen wurden viele Verletzungen ...
Heute, fast 5 Monate später, eitert die Naht noch immer, das Bein ist lila und ich bin bei etlichen Ärzten gewesen.
Ich bin Krankenschwester, also nicht so unwissend, wie Medizyniker die PatientInnen brauchen ...
Ich rette mich - seit zwei? Wochen hinke ich endlich ohne Krücken - immer mal ins Cafè und Kino am Ufer, in Wedding oder zu senior-street-art, in Kreuzberg und mach jetzt hier, vor Ort allerlei.
Türingen und der Bayrische Wald oder die Oberfalz liegen zur Zeit in weiter Ferne ...
Ich will schon lange nichts mehr haben oder sein ...
Ich genieße es, Leben einfach leben zu können, das heißt für mich, den größten Teil meiner Lebenszeit ziemlich frei einteilen zu können und die Natur, also auch das Zusammensein mit Pflanzen, Tieren und Menschen zu genießen ...
Und wie geht es Ihnen heute?
Liebe Frau Lorenz
Ich habe Ihre "Betroffenheit" gelesen und mich gefragt, wie es Ihnen heute geht. Konnten Sie den schönen Sommer trotzalledem geniessen? Wie geht es Ihrem Bein und dem Selbstbefinden?
Ich freue mich auch Ihre Antwort.
Herzlich milde Herbstgrüsse aus Zürich
Kyra A. Richiger
P.S. Ich schwimme noch jeden Tag im Zürichsee und geniesse es zusammen mit anderen Badenden sehr.
Ich brauch jetzt nur noch ein paar Minuten Anlauf,
liebe Frau Richiger,
bis ich meinen Fuß beinahe wie einen gesunden abrollen kann.
Am Sommer hab ich vor allem genossen, dass mich die Hunde und deren Menschen an vielen Tagen stürmisch auf der Wiese hinter dem Haus begrüßten!
Parallel dazu bekam ich einen Gartenschlüssel und durfte mich dort erholen und auch austoben; das war mir eine Wohltat. Allerdings wäre ich lieber öfter mit Menschen zusammen und war im Garten dann auch wieder alleine, wie seit dem Mauerfall sooo oft.
Das "öffentliche Wohnzimmer" in der Spielstraße um die Ecke hab ich -, trotzend meinem Bein -, den ganzen Frühling und Sommer über mitgestaltet und hatte viel Freude dabei; da kamen junge und weniger junge und ganz wenig junge Menschen einfach zusammen und das ist es, was ich brauche ...
Mit "senior-street-art" haben wir, gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und AnwohnerInnen, drei Wochenenden lang eine Brücke gestaltet; davon zeige ich viele Fotos auf Facebook ...
Vorigen Samstag hab ich für "Plant for the Planet" mit etlichen Menschen zusammen in Dahlem Bäume gepflanzt. Dort wurde vor 80 Jahren ein amerikanischer Hochstieleichenwald gepflanzt, damit die Nobelhütten nicht abgefackelt werden können ...
Das hatte zur Folge, dass sich kein einheimisches Tier mehr ernähren konnte ...
Damit diese sich nun wieder ansiedeln können, haben wir 1 000 einheimische Setzlinge eingepflanzt ...
Viel los, nur eben alles immer ohne finanzielle Gegengabe - macht in so viele Jahren ja auch was mit mir ...
"Nebenbei" bau ich weiterhin an meiner Idee von der Veränderung der Gewalt in der Justiz ...
Herzliche Grüße an den Züricher See und an alle hier Lesenden!
Berthild Lorenz
Wir leben in einer Welt scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten.
das ist der eine Unterschied ...
Ich "lebe" seit ich 1990 zurück kam, wie Helmut Kohl 1990 alle DDR Flüchtlinge gebeten hatte, vom Sozialhifesatz, der mir ja nun seit einigen Jahren hartzlich gerne gegeben wird.
Gerade seit Mai 2009 ist der Hartz IV-Satz noch ein Mal um 70 Euro gekürzt worden.
Ich bekomme Monat für Monat 666 Euro, von denen schon fast 400 Euro nur für Warmmiete für die 52m² paterre "Wohnung" - alles Außenwände und helhörig bis schlimmer gehts nicht, abgehen ...
Unbegrenzte Möglichkeiten? Ich hab seit dem Mauerfall noch mehr Begrenzung erlebt, als in der DDR.
Damals, in der DDR, bin ich in jedem Jahr in mein geliebtes Thüringen gefahren, auf die Berge gestiegen, um ein Mal im Jahr die Übersicht zu haben ...
Seit dem Mauerfall nie mehr ...
Ich bin nie in diesem Land angekommen und staune immer wieder, wie anders doch meine Welt, inmitten, am Rande der Bundesrepublik ist.
Berthild Lorenz
Auf nach Thüringen!
Liebe Berthild,
deine Beschreibungen haben mich an meine Zeit in Berlin erinnert, ich habe hier auch zwei Jahre lang von Sozialhilfe gelebt, vor zehn Jahren. Das Kraftraubendste war für mich aber nicht die geldliche Armut. Da konnte ich mich behelfen. Mit kleinen Jobs für Freunde, die mich auf ökonomischen Nebenwegen versorgt haben. Und durch die Mitgründung des Kreuzberger Tauschrings, der mir den bereichernden Austausch mit meinen Nachbarn ermöglicht hat - mit all den Schwierigkeiten, die so eine Tauschgemeinschaft auch mit sich bringt.
Das Beschwerlichste war mein eigenes Gefangensein in dem was ich "haben" oder "sein" wollte. Ohne Arbeit, irgendwo im dritten Hinterhaus in Neukölln – da ist es schwer sich selbst und jeden einzelnen Schritt den man tut als wertvoll zu erkennen. Insofern ist diese "Welt scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten" und dass wir uns an ihr messen aus meiner Sicht gerade das Problem.
Weißt du, am meisten spüre ich Leben wenn ich deinen Satz lese "... bin ich in jedem Jahr in mein geliebtes Thüringen gefahren, auf die Berge gestiegen ...". Das klingt gut.
Und solche Wanderungen, solches "im Leben sein", hat mir keine noch so enge ökonomische Situation nehmen können. Ein Zelt und einen Schlafsack habe ich immer noch irgendwo in der Ecke gehabt oder von Freunden leihen können.
Also: Auf nach Thüringen!
Auf nach Thüringen ...
hm ...
Vielleicht eine Frage: Hast du ne Vorstellung, wem du deinen Rat schlägst?
Ich kann nicht im Zelt im Schlafsack auskommen - da fehlt mir was dazu ...
Die Leute, zu denen wir damals fuhren, die gibt es dort nicht mehr und Geld für ein Quartier hab ich nicht ...
Du schreibst: "bin ich in jedem Jahr in mein geliebtes Thüringen gefahren, auf die Berge gestiegen ...". Das klingt gut."
Tja, und das ist länger als ein Vierteljahrhundert her und es war wunderschön ...
Und Fakt ist, dass in Deutschland arbeitslos Genannte stets und ständig ihre Arbeitskraft bereit zu halten haben und kein Recht aufs Urlaubhabenwollen haben ...
Auf der einen Seite wird mir eine Behinderung anerkannt, die ich so nicht sehe -, aber es geht ja auch nicht wirklich um mich in den Amtsstuben, sondern ums Aufrechteralten des Systems -, und auf der anderen Seite steht mir keine Erholung zu -, wovon auch?!?
Solche Perversitäten bewusst zu machen, hab ich 2009 vieeeeele Stunden in Utopia investiert ...
Ich bin für heute müde und sende herzliche Grüße aus dem schon wieder dunklen Berlin.
Berthild
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