Lebensraum

Am besten keine Ziele

Leo Babauta

Die Idee konkreter, erreichbarer Ziele scheint in unserer Kultur tief verwurzelt zu sein. Ich weiß, ich habe viele Jahre zielorientiert gelebt, und tatsächlich geht es in einem großen Teil meiner Texte darum, wie man sich Ziele setzen kann und wie man sie erreicht.

Nun jedoch lebe ich zumeist ohne Ziele. Es ist absolut befreiend und im Gegensatz zu dem, was man dir vielleicht beigebracht hat, heißt das überhaupt nicht, dass du aufhörst, etwas zu leisten oder zu erreichen.

Es bedeutet, dass du damit aufhörst, dich von Zielen begrenzen zu lassen.

Nimm zum Beispiel diesen weit verbreiteten Glaubenssatz: "Du kommst nie irgendwo an, wenn dir nicht klar ist, wohin du gehst." Das scheint sehr dem gesunden Menschenverstand zu entsprechen, und doch ist es offensichtlich nicht wahr – es wird sichtbar, wenn du für einen Moment innehältst, um darüber nachzudenken.
Mach ein einfaches Experiment: Geh nach draußen, laufe in eine beliebige Richtung und nimm dir die Freiheit, willkürlich die Richtung zu ändern. Nach 20 Minuten oder einer Stunde ... wirst du irgendwo sein! Du hast bloß nicht gewusst, dass du dort landen würdest.

Eine Gemeinschaft von Menschen

Sean Sakamoto

Ich muss arbeiten, aber ich will nicht immer arbeiten. Ich möchte Zeit mit Freunden verbringen, ich möchte spazieren gehen können, ich möchte das Leben genießen können. Wer will das nicht? Ich möchte, dass die Arbeit ein Teil meines Lebens ist und nicht ihr Hauptzweck.

Auszeit

Adelheid Ebbinghaus

Vor zehn Jahren hatte ich meine letzte wirkliche Auszeit: Vier Wochen in einem kleinen griechischen Fischerdorf irgendwo unbekannt. Da habe ich die Wochen im Schatten des einzigen Baumes am Strand gesessen und nichts getan als auf das Meer zu schauen, zu dösen, abzuhängen, zu träumen, vielleicht auch ein bisschen nachdenken, alles sehr gelassen wie es eben gerade so kam, ein Leben ohne Uhrzeit: Aufstehen, wenn wach geworden, essen, wenn Hunger kam, ohne Rücksicht auf eine Tageszeit… Es war wunderbar! Nach drei Wochen war ich so synchronisiert und in einem so normalen eigenen Rhythmus, dass mir Flügel hätten wachsen können. So eine Auszeit wünsche ich mir mal wieder leisten zu können. Und ich glaube, alle Lebewesen sollten ab und an völlig befreit mal raus können von allem, so eine Art „Reset-Taste“ für das eigene Leben wiederfinden.

Die Graswurzelrevolution

Kompostwürmer bei der Schwarzerdebearbeitung

Schwarzerde live

Ute Scheub
Schwarzerde hat das Potenzial, mehrere Krisen gleichzeitig zu meistern: die Klimakrise, die Hungerkatastrophe und die Hygienemisere in Slums. Und das alles ohne Großkonzerne, sondern in einer Agrarrevolution von unten. Ute Scheub besuchte einen ihrer Wiederentdecker, den Bodenkundler Haiko Pieplow, am nördlichen Rand von Berlin.

Haiko Pieplow greift in einen seiner Pflanzkübel und lässt die laut Bodenanalysen fruchtbarste Erde der Welt durch die Finger krümeln. Der promovierte Bodenkundler wird dabei malerisch umrahmt von Narzissen und mediterranen Gewächsen, die aus dem Boden seines Wintergartens am Rande von Berlin wachsen. Terra Preta könne Abfälle in Rohstoffe umwandeln und damit eine echte regionale Kreislaufwirtschaft initieren, erläutert der Agraringenieur.

Wege aus der Mutlosigkeit

Erntezeit

Erntezeit       Foto © view7/photocase

Dirk Henn

Es ist nicht einfach, jede Woche einen neuen Weg aufzuzeigen. Einen gangbaren, nah an dem, was wir tagtäglich erfahren. Besonders wenn ich traurig gestimmt bin, kann es mir passieren, dass ich mich von den Ereignissen rund um mich herum überwältigen lasse. Und dann passiertʼs: In diesem Moment trage ich meine Mutlosigkeit in die Welt. Vor allem aber sehe ich dann keine neuen Wege. Und so ist es mir in der letzten Woche zum ersten Mal passiert, dass ich einen Artikel veröffentlicht habe, der tatsächlich keinen Weg aufzeigt. Nunja, ich nehme es gelassen. Wenn ich einen Weg gehe ist es unvermeidlich, dass ich hier und da auch mal danebentrete.

Was aber, so frage ich mich, hilft mir, aus der Mutlosigkeit herauszufinden, um mich dann wieder neuen Wegen zuwenden zu können?

Das einfache Leben praktizieren

Erin Doland

Neulich habe ich einen dreitägigen Workshop geleitet, der unter dem Motto „Die Praxis der Einfachheit“ stand. Als ich mich für den Titel der Veranstaltung entschied, habe ich das Wort „Praxis“ ganz bewusst gewählt.

Menschen, die ein einfaches Leben führen, betrachten sich selbst oft als Praktizierende. In dem Sinne, wie ein Arzt von sich behauptet, dass er als Mediziner „praktiziert“, mag ein Freund der Vereinfachung sagen, dass er Einfachheit praktiziert.

Und tatsächlich braucht ein einfaches Leben Praxis. Niemand geht in komplettem Chaos und Wirrwarr am Abend zu Bett und wacht am nächsten Morgen als Meister eines wohlgeordneten Wunderlandes auf. Wandel passiert nicht über Nacht, ihn zu erreichen und zu bewahren braucht auf jeden Fall Praxis.

Und doch ist Einfachheit an sich nicht der Sinn der Sache.

Einfache Vergnügungen

Der Sommer naht und damit die Urlaubszeit. Wo geht´s hin?

In die Ferne schauen – auf Juist

In die Nähe oder in die Ferne schauen?   Foto © Dirk Henn

Dirk Henn

Im Grunde ist es ganz einfach: Nah soll es sein, wirklich nachhaltig und ein Ort, an dem ich ohne Sorge sein kann. Doch wie wird daraus ein Urlaub?

Als ersten Anhaltspunkt habe ich mich an den Verbänden und Zusammenschlüssen orientiert, die sich einem nachhaltigen Tourismus verschrieben haben. Die Angebote von Viabono waren mir jedoch zu teuer. Das Forum Anders Reisen hat einige sehr gelungene Reisen, aber auch so sehr viel Fernreiseangebote – da wird es dann am Ende nie was mit der Nachhaltigkeit. Ö-plus hat in der Schweiz einiges zu bieten, doch die Blaue Schwalbe, habe ich dann für mich entschieden, ist das entschiedenste und wärmste der touristischen Qualitätssiegel. Nun ja, aber im ersten Anlauf war nichts dabei, was ich derzeit bezahlen kann,

Aus dem Landtagebuch

Die kleinen weissen Glocken des Frühlings

Die kleinen weissen Glocken des Frühlings

Tom Hodgkinson

DIE ERSTEN SCHNEEGLÖCKCHEN sind aufgetaucht. Ihre Ankunft lichtet langsam, ganz langsam die dunkle Schwere, die der Regen über das Land gelegt hat. Unser Hof ist eine einzige Schlammpampe. Er ruft mir den genervten Refrain meiner stadtliebenden Mutter in Erinnerung, den sie immer dann anstimmt, wenn sie zu Besuch kommt: „Ich mag Schlamm nicht. Ich mag es nicht!“

Die glücklichen Tage voll Schnee sind nunmehr Erinnerung. Aufgaben winken.

Neubesinnung

Parkplatz am Morgen

Parkplatz am Morgen       Foto © Dirk Henn

Dirk Henn

Aus meiner neuen Wohnung schaue ich auf einen Parkplatz. Des Morgens eilen die Menschen in ihren meist viel zu großen Autos herbei. Wie auf einer Landebahn führt sie die lange Zufahrtspiste vor die Eingänge des Kindergartens und der Kleinkind-Gruppe. "Sieben Zwerge" und "Sonnenblume" klingt niedlich, doch die Menschen die dorthin eilen, scheinen oft in großer Not zu sein. Sie biegen mit ihren Kleintransportern, Familienvans und Kombis in derart wahnwitziger Hast um die Kurven, dass die Anwohner der umliegenden Häuser des Morgens und am Mittag lieber Abstand halten.

Gute Vorsätze für 2010

Dirk Henn

Drei gute Vorsätze habe ich mit ins Jahr 2010 genommen. Ich werde

• morgens in der Frühe meditieren;

• beständig an den 52 Wegen arbeiten;

• mir täglich mit frischen Nahrungsmitteln aus regionalem Bioanbau etwas kochen.

Das ist das, was mir über meinen gewohnten Tagesablauf hinaus verlässlich möglich ist.

Mich interessiert, was du dir in diesem Jahr vorgenommen hast, um die Welt für dich und für andere zu einem besseren Ort zu machen. Schreib uns doch davon in den Kommentaren. (Ich kann mir gut vorstellen, dass wir noch das eine oder andere voneinander lernen können.)

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