Stille
Die Pause, von der alles Andere abhängt
Pause Foto © Prato9x/flickr
Ich habe eine Gewohnheit entwickelt, die mein Leben verändert hat.
Die Pause.
Wenn wir Fehler machen, dann deshalb, weil wir ohne nachzudenken einem Drang folgen – wir merken es meist nicht einmal. Wir haben Lust Junkfood zu essen, und wir tun es. Wir haben den dringenden Wunsch, die Emails zu checken, statt ein Kapitel unseres Buches zu schreiben und deshalb öffnen wir die Inbox. Wir verspüren den inneren Drang zu rauchen, Alkohol zu trinken, Drogen zu nehmen, an unseren Fingernägeln zu kauen, ein Facebook-Spiel zu spielen, etwas aufzuschieben, eines der Fitnesstrainings auszulassen, mehr Pommes zu essen, zu kritisieren, aus Eifersucht oder Wut zu handeln, grob zu sein … und wir folgen diesem Drang.
Digitale Kompetenz
Überlebensstrategien im Zeitalter der Bits und Bites
Kommunikation analog Foto © luxuz::./photocase
Informationsstress ist ein wichtiges Thema, wichtiger als je zuvor – die Bits haben Einzug in unser Leben gehalten. Vor zehn Jahren hat es die US-Bürger vielleicht beunruhigt, wenn sich bei ihnen zuhause Berge von Zeitschriften und Zeitungen auftürmten. Doch heute, da sich in allen Bereichen unseres Lebens die Bits ausbreiten, wird aus der Beunruhigung Angst. E-Mails, Webseiten, Newsletter, Chatrooms, E-Mails, SMS und noch mehr E-Mails – all diese Ströme von Bits können uns aus dem, was wir gerade tun, herausreißen und auf Trab halten – überall und immer.
Auszeit
Vor zehn Jahren hatte ich meine letzte wirkliche Auszeit: Vier Wochen in einem kleinen griechischen Fischerdorf irgendwo unbekannt. Da habe ich die Wochen im Schatten des einzigen Baumes am Strand gesessen und nichts getan als auf das Meer zu schauen, zu dösen, abzuhängen, zu träumen, vielleicht auch ein bisschen nachdenken, alles sehr gelassen wie es eben gerade so kam, ein Leben ohne Uhrzeit: Aufstehen, wenn wach geworden, essen, wenn Hunger kam, ohne Rücksicht auf eine Tageszeit… Es war wunderbar! Nach drei Wochen war ich so synchronisiert und in einem so normalen eigenen Rhythmus, dass mir Flügel hätten wachsen können. So eine Auszeit wünsche ich mir mal wieder leisten zu können. Und ich glaube, alle Lebewesen sollten ab und an völlig befreit mal raus können von allem, so eine Art „Reset-Taste“ für das eigene Leben wiederfinden.
Die Kraft der Stille
Foto © tobeys/photocase
"Stille ist eine Quelle großer Stärke."
Lao Tse
Es ist ein arbeitsreicher Tag und du wirst ohne Unterlass mit E-Mails, Anrufen, SMS, Nachrichten und Unterbrechungen jeglicher Art überhäuft. Der Lärm der Welt ist wie ein dumpfes Gedröhn, das jede Sekunde deines Lebens durchdringt. Es ist eine Mordshetze, es zerrt an deiner Aufmerksamkeit – so lange, bis dass du keine Kraft mehr hast, nicht mehr hinhören magst und kaum noch irgend etwas zustande bringst.
Dieser Lärm, dieses Gebrüll ist eine Krankheit. Es kann uns wirklich fertigmachen. Es stresst uns, wir fühlen uns niedergeschlagen, fressen den Frust in uns hinein, sind am Ende – erschlagen von den Aufs und Abs unserer technisierten Lebenswelten.
Doch es gibt ein ganz einfaches Gegenmittel: Stille.
Die vergessene Kunst der Einsamkeit
Zur Ruhe kommen Foto © Prato9x/flickr
Man muss kein Mönch sein, um Einsamkeit zu finden und auch kein Einsiedler, um sie genießen zu können.
Und doch ist Einsamkeit in diesen Zeiten der allumfassenden medialen Erreichbarkeit eine vergessene Kunst. Und während ich sehr wohl die Schönheit dieser globalen Gemeinschaft sehe, denke ich doch, dass es notwendig ist, sich regelmäßig von ihr zurückzuziehen.
Eine meiner liebsten Beschäftigungen ist es, am Rand des Meeres in Stille zu sitzen ... zu kontemplieren ... zu gehen … allein mit meinen Gedanken. Alle Verbindungen in die Aussenwelt für einen Moment unterbrechen und einfach schreiben … Ruhe finden, indem ich einen guten Roman lese ... indem ich ein einsames Bad nehme.
Verstehe mich nicht falsch: Ich liebe es, mit meinen Liebsten zusammen zu sein.
Einfache Vergnügungen
Der Sommer naht und damit die Urlaubszeit. Wo geht´s hin?
In die Nähe oder in die Ferne schauen? Foto © Dirk Henn
Im Grunde ist es ganz einfach: Nah soll es sein, wirklich nachhaltig und ein Ort, an dem ich ohne Sorge sein kann. Doch wie wird daraus ein Urlaub?
Als ersten Anhaltspunkt habe ich mich an den Verbänden und Zusammenschlüssen orientiert, die sich einem nachhaltigen Tourismus verschrieben haben. Die Angebote von Viabono waren mir jedoch zu teuer. Das Forum Anders Reisen hat einige sehr gelungene Reisen, aber auch so sehr viel Fernreiseangebote – da wird es dann am Ende nie was mit der Nachhaltigkeit. Ö-plus hat in der Schweiz einiges zu bieten, doch die Blaue Schwalbe, habe ich dann für mich entschieden, ist das entschiedenste und wärmste der touristischen Qualitätssiegel. Nun ja, aber im ersten Anlauf war nichts dabei, was ich derzeit bezahlen kann,
Stille ist eine kraftvolle Handlung
In diesem Moment Foto © korffi/photocase
„Aktivität besiegt die Kälte, doch Stille besiegt die Hitze.“ Lao Tse
In unserer Kultur neigen wir dazu, Stille mit Faulheit in Verbindung zu bringen, sie als ein Feststecken in Inaktivität, als etwas Negatives zu betrachten.
Doch das ist sie nicht. Stille ist eine Handlung, und eine kraftvolle noch dazu.
Mehr noch, sie kann deinen ganzen Tag verändern und somit dein Leben verwandeln.
Lass die Welt an dir vorüberziehen
Das, was immer schon da ist Foto © Erik/Flickr
Gestern saß ich vor meiner neuen Wohnung (wir sind letzte Woche umgezogen, und wir lieben diesen neuen Ort) und ich habe einfach den Dingen um mich herum ihren Lauf gelassen.
Menschen fuhren in ihren Autos vorbei, in Eile auf dem Weg zu ihrer nächsten Verabredung. Vögel zogen vorüber und die Insekten waren so geschäftig wie die Menschen in ihren Autos, während um mich herum die Pflanzen und Gräser im feuchten Klima Guams gedeihen.






