Tun, was getan werden muss

Kuddelmuddel

Klar durchs Kuddelmuddel       Foto © Mr. Nico/photocase

William Rosenzweig

Tag für Tag gibt es mehr zu tun, als uns unsere Zeit oder unsere Ressourcen erlauben. Es ist nicht möglich all das zu vollenden, das zu tun wäre. Starte mit diesem Wissen. Es ist beides – eine Quelle der Frustration und der Freude.

Viele Aufgaben scheinen leicht und angenehm zu sein, andere sind anstrengend und entmutigend. Nimm es wie es kommt. Mal wirst du dich überwältigt fühlen, dann wieder bist du verwirrt über die Frage, wo du anfangen sollst. An manchen Tag bist du klar und inspiriert, in dir selbst ruhend. Andere Morgende bringen dir nichts als Nebel.

Entdecke den Rhythmus und die Struktur deiner Arbeit, verfolge ihren Verlauf wie den der Jahreszeiten. Einige Aufgaben sind sehr hart – zu schwer zu ertragen und jenseits deiner Möglichkeiten. Einige erfordern ein leichtes Händchen und schenken dir die flüchtige Freude der Anerkennung. Einige der Aufgaben ziehen einfach durch dein Leben, wie tieffliegende Wolken, die dichtgepackt durch den Sommerhimmel ziehen.

Beginne jeden Tag mit der herausforderndsten Aufgabe. Wähle das, was am unangenehmsten oder unerwünschtesten ist. Tu dies zuerst. Ganz und gar, vollen Herzens und mit einem leeren Geist. Wenn du das Aufkeimen freudigen Bemühens in dir zulassen kannst, wird es dich durch das hindurchtragen, von dem du noch vor wenigen Momenten gedacht hast, dass es unmöglich zu schaffen ist. Das Herausfordernde hinter sich zu lassen gibt dir die Freiheit, dich dann bedeutungsvollen Aufgaben zuzuwenden, von denen du bis dahin noch nicht einmal etwas geahnt, geschweige denn gewusst hast.

Wenn du feststeckst, versuch deinem Festsitzen auf die Spur zu kommen: Wo stockt deine Handlung? Lass diese Herausforderung klar und deutlich vor dir stehen. Ignoriere oder vermeide sie nicht. Vergrössere das, was dir im Weg steht. Kreise es ein, schau es an. Dann geh mitten hindurch, um das zu tun, was getan werden muss.

Dieser Artikel stammt von William Rosenzweig, er wurde erstmals auf seiner Website ideagarden.com unter dem Titel Doing what needs doing veröffentlicht. Übersetzung: Dirk Henn.

Kommentare

Oh Gott!

Ganz ehrlich? Wenn ich wüsste, dass ich mit der blö..., also mit der Aufgabe anfangen müsste, welche die größte Herausforderung darstellt, dann würde ich im Bett liegen bleiben.
Dieser Tipp hat einen ganz und gar empfindlichen Punkt bei mir getroffen und das, obwohl ich das befriedigende Gefühl kenne, das sich einstellt, wenn etwas lange Aufgeschobenes endlich erledigt ist. Irgendwie arbeiten da Verstand, Gefühl und Hand nicht ganz optimal miteinander...

Re: Oh Gott

Nun, du (ich hoffe, ich darf einfach du sagen) hast da sicher ein "Problem", dass sehr viele Menschen haben und auch bei mir war -ich betone war- es auch schon soweit. Es ist eines der schwersten Dinge, die man lernen muss... man muss sich selbst überwinden, man kann es aber lernen. Da gibt es sicher auch wieder viele Wege, schau dir allein den Büchermarkt an, der sich mit dem Thema beschäftigt.
Mein Weg war die Beschäftigung mit Karate, Zen, Qi Gong, Taichi chuan. Wenn man diese Dinge in sein Leben integrieren kann ... nicht bloß mal dorthin gehen und dann nach einigen Wochen wieder etwas anderes machen ... weil es ja so viele andere Angebote gibt (wer viele Dinge beginnt, wird das EINE -dass, was zu DIR passt- nie finden), der wird sich auch im täglichen Leben ändern, Probleme ändern.
Und -unangenehme- Dinge zuerst erledigen, gehört sicher dazu. Die Frage ist allerdings auch, gibt es -unangehme- Dinge. Es ist doch immer die Sicht auf die Dinge, die sie -vermeintlich oder echt- unangenehm machen. Wenn ich es also schaffe, aus vermeintlich unangenehmen weniger unangenehme Dinge zu machen -z.B. durch einen eigenen kleinen Wettbewerb mit mir selbst oder auch anderen - wer ist der schnellere oder bessere, dann entsteht hier so eine Art kleines Erfolgserlebnis- dann ist das Problem plötzlich keines mehr.

Ein Beispiel: Ich, Mann, bügeln (da Single) - welcher Mann bügelt gern, also Begre von Wäsche angehäuft - das unangenehme Gefühl wird immer drückender.
Heute bügele ich gleich nach jeder Wäsche und freue mich daran, dass nichts mehr rumliegt. Gemacht werden muss es doch sowieso, also warum nicht gleich???

Zen Buddhisten sagen dazu: " Wenn ich Hunger habe, esse ich, wenn ich müde bin, schlafe ich - ich mache genau das in jedem Moment, was wichtig ist.
Das klingt leicht, ist es jedoch oft nicht - aber es ist erlernbar, jeden Tag ein kleines Stück.
In diesem Sinne hoffe ich für alle, dass Sie Ihren eigenen Weg finden, mit solchen Dingen umzugehen. Danke für die Bereitschaft, mir zuzuhören und alle guten Wünsche.

Tun, was getan werden muss

Hallo Herr Henn,

herzlichen Dank für diesen wunderbaren Text. Das ist genau mein Thema und daher habe ich ihn gleich an unseren Küchenschrank gehängt! Möge er mir hilfreich sein und mögen Sie ein glückliches Leben haben ;-)))

Schönes Wochenende wünscht,
Heike Strunk

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Nähere Details können Sie der Creative Commons Lizenz entnehmen, der dieser Beitrag unterliegt. Urheber: Dirk Henn

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