Mehr leben, weniger brauchen
Je mehr ich mein Augenmerk darauf richte zu leben, desto weniger brauche ich.
"Sein Augenmerk darauf richten zu leben", was soll das heißen? Es ist ein Wechsel – von der Sorge um die Dinge, die ich habe, um meinen Status, um Ziele und um wunderschöne Dinge hin zum unmittelbaren Leben. Leben umfasst: Lange Spaziergänge, Dinge selber machen, Gespräche mit Freunden, kuscheln mit meiner Frau, mit meinen Kindern spielen, einfache Speisen essen, rausgehen und aktiv werden.
Das ist leben. Nicht einkaufen oder fernsehen oder im Internet sein oder online Dinge bestellen oder versuchen, berühmt zu werden; auch nicht Unmengen an fettigen und süßen Nahrungsmitteln in mich hineinschaufeln – nicht zur Ernährung, sondern als Vergnügung.
Diese Dinge sind nicht das Leben – sie sind ein konsumistischer Zeitvertreib, der dazu geeignet ist, uns in Überkonsum und Achtlosigkeit zu verstricken.
Wenn ich den Fokus auf das Leben lege, werden all diese Scheinbedürfnisse weniger wichtig. Warum brauche ich einen Fernseher, wenn ich raus auf Erkundungstour gehen kann oder was unternehmen kann oder mit einem Freund einen Spaziergang machen kann? Warum muss ich shoppen, wenn ich bereits alles habe, was ich brauche? Ich kann Zeit mit jemandem verbringen oder schöpferisch tätig sein und ich brauche sehr wenig um das zu tun.
Für die Dinge, die ich nun tue, braucht man fast nichts. Ich kann leben, und brauche wenig.
Wenig zu brauchen ist sehr befriedigend … das ist eine enorme Bereicherung. Das ist eine Ökonomie der Ressourcen, die ich so vorher noch nie erfahren habe.
In diesen Tagen brauche ich nicht mehr als die Menschen die ich liebe, einen Texteditor, einen Weg, auf dem ich das was ich schreibe veröffentlichen kann, ein gutes Buch, einfache pflanzenbasierte Nahrung, einige Kleidungsstücke die mich warm halten und die Möglichkeit, im Freien zu sein.
Dieser Artikel stammt von Leo Babauta, er wurde erstmals auf seiner Website mnmlist.com/ unter dem Titel live more, need less veröffentlicht. Übersetzung: Dirk Henn.
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Nähere Details können Sie der Creative Commons Lizenz entnehmen, der dieser Beitrag unterliegt. Urheber: 52wege.de/Leo Babauta

Kommentare
Um Gottes Willen
m Gottes Willen ...
Vielleicht ist das Leben ja doch mehr als Sie sie gutzuschwafeln vermögen.
Vielleicht doch mal längere Zeit vor dem PC sitzen um diese Texte zusammenzuwürfeln und grad mal nicht mit der Frau kuscheln oder im Wald wie verrückt rumrennen ...
Ein Widerspruch jagt hier den nächsten ...
"Das ist leben. Nicht einkaufen oder fernsehen oder im Internet sein oder online Dinge bestellen oder versuchen, berühmt zu werden"
Entschuldigen Sie, lieber irgendwas, von allen Idealen, nur nicht von sich selbst besessener ...
Das ist schon toll, wie sich Nichts durch Geschwafel in eine scheinbare gute Quasiwirklichkeit erheben kann, die dann wahrscheinlich rein garnichts mit der Wirklichkeit des Verfassers zu tun hat.
Allein soetwas einen Kommentar zu hinterlassen ...
Das ist meine wahre Schande.
Ach, wie traurig..., so viel
Ach, wie traurig..., so viel Verbitterung.
Aber ein Quentel Tatsache steckt auch darin. Leben ist Leben. Und was für den einen lebens- und erstrebenswert sein mag, muß es nicht auch zwangsläufig für den anderen sein. Wer die Erfüllung und das Glück seines Dasins beispielsweise im Sitzen vor dem Fernseher sehen mag, dem sei das bitteschön unbenommen.
Philosophen aller Zeiten haben über den "Sinn des Lebens" reflektiert und dabei ist es doch so einfach: Das Leben als solches hat seinen Sinn in sich, unabhängig von dessen Inhalt. Günstigstenfalls handelt es sich um ein weitgehend selbstbestimmtes Leben.
Einfacher ausgedrückt: Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.
Besonnene Antwort
Lieber Frater K.,
vielen Dank für deinen Beitrag. Ganz und gar stimme ich dir zu. Ich habe die letzten Tage mich oft gefragt, wie ich wohl auf den bitteren Kommentar von Ruhmraff reagieren könnte. Nun hast du sehr besonnen geantwortet, super.
ich lebe mehr...
Lieber Dirk,
danke dir sehr herzlich für die sehr guten Beiträge und deinen wöchentlichen Newsletter! ich habe sie alle sehr gerne gelesen und beherzige auch so einiges - es ist ja so viel WAHRHEIT darin!!! ich habe das schenken an Weihnachten schon viele Jahre abgeschafft...
ich wünsche DIR mit Familie eine stille, erhabene, gesegnete Weihnacht Zeit! Hab FREUDE!
herzlich Monika
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