Die Familie aller Dinge

Mary Oliver

Du brauchst nicht gut zu sein.
Du brauchst nicht Hunderte von Meilen
Reuevoll auf Knien durch die Wüste zu rutschen.
Du brauchst bloß das kleine weiche Tier deines Körpers
Lieben zu lassen, was es liebt.
Erzähl mir von Verzweiflung, deiner, und ich erzähle dir von meiner.
Derweil nimmt die Welt ihren Lauf.
Derweil bewegen sich die Sonne und die klaren Kiesel des Regens
Durch die Landschaften,
über Prärien, die tiefen Bäume,
die Berge und Flüsse.
Derweil ziehen die wilden Gänse hoch in der klaren, blauen Luft
Wieder heimwärts.
Wer immer du bist, gleich, wie verlassen,
die Welt bietet sich deiner Phantasie dar,
ruft dich wie die wilden Gänse, mit rauer, aufregender Stimme –
immer wieder, und verkündet dir deinen Platz
in der Familie aller Dinge.

Das Gedicht stammt von Mary Oliver und trägt den Titel "Dream Work".
Dirk Grosser hat es online auf seiner Website Wilde Weisheit veröffentlicht. Dank dir für den Hinweis, Dirk!
Entnommen ist es in seiner deutschen Übersetzung dem Buch Der Weg des Druiden von Philip Carr-Gomm.

Kommentare

Hallo! Ich wollte nur

Hallo! Ich wollte nur berichtigen, dieses Gedicht von Mary Oliver heisst in englisch 'Wild Geese'. Es ist eins der schönsten Gedichte das ich kenne. Habe es in USA kennengelernt und freue mich sehr nun eine deutsche Übersetzung zu haben! Ich glaube, es ist das Buch in dem es erschienen ist, was dream work heisst...
Herzliche Grüße, Eva

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