Den Blick auf das Unmögliche gerichtet

Viel Gegenwind Foto © IBV2012/photocase
"Denn bei allem, was wir tun, denken und fühlen, möchten wir manchmal bis zum Äußersten gehen. Der Wunsch wird in uns wach, die Grenzen zu überschreiten, die uns gesetzt sind.
Es ist auch mir gewiss, dass wir in der Ordnung bleiben müssen, dass es den Austritt aus der Gesellschaft nicht gibt und wir uns aneinander prüfen müssen.
Innerhalb der Grenzen aber haben wir den Blick gerichtet auf das Vollkommene, das Unmögliche, Unerreichbare, sei es der Liebe, der Freiheit oder jeder reinen Größe. Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten.
Dass wir es erzeugen, dieses Spannungsverhältnis, an dem wir wachsen, darauf, meine ich, kommt es an; dass wir uns orientieren an einem Ziel, das freilich, wenn wir uns nähern, sich noch einmal entfernt."
Ingeborg Bachmann in ihrer Rede, die sie 1959 anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden gehalten hat.



Grenzen
Danke für die wöchentlichen inspirierenden, erfüllenden und bereichernden Gedanken und Impulse.
"Im Widerspiel des Unmöglichen mit dem Möglichen erweitern wir unsere Möglichkeiten" - ein wunderbarer Satz!
Ist es nicht so, das wir erst dann wachsen und wir uns Ver-Ändern, wenn wir unsere Grenzen überschreiten (müssen)? Wenn uns das als "Grenze" gedachte oder so empfundene doch ein "Geschenk" ist, das uns letztlich hilft? Wann ist etwas unmöglich oder möglich? Ist es denn nicht immer möglich, also doch machbar und irgendwie wirklich?
Ich denke, dass wir heute immer stärker aufgefordert werden, an unsere Grenzen zu stoßen. Fast täglich aufs Neue hineinzuspüren, wo der Lebens-Weg hingeht, und um durch diese Prozesse innerlich klarer zu werden.
Die vermeintlichen Grenzen bringen Klarheit. Auch in dem Sinne, dass wir auf einmal doch etwas er-möglichen konnten...
Denn das Leben findet in der Bewegung statt...
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