Das ganze Ausmaß des Wandels
„So negativ wie du sehe ich die Welt gar nicht“ sagte mir meine Frau nach einem ersten Blick auf meine Website. Uups, fragte ich mich, bin ich tatsächlich so pessimistisch? Als wir dann miteinander sprachen wurde mir bewusst, dass vielen Menschen das Ausmaß der derzeit stattfindenden globalen Veränderungen nicht bekannt ist.
Warum also kann es nicht weitergehen wie bisher? Warum kommen wir nicht daran vorbei, jetzt unser Leben von Grund auf zu ändern? Von Jahr zu Jahr werden Konsumenten und Firmen umweltbewußter – wir sind doch auf dem richtigen Weg, oder etwa nicht?
Mich hat eine Grafik sehr beeindruckt, die uns Andreas Weber kürzlich bei einem Vortrag präsentierte. Sie gibt die Antwort, auf einen Blick.
Unter der Überschrift „Wie unser Wirtschaften die Erde vernichtet“ veröffentlichte der New Scientist im Oktober 2008 eine einzelne Grafik. Sie zeigt das Anwachsen unseres menschlichen Fussabdrucks in einem nie dagewesenen gigantischen Ausmaß.
Klickt auf das Bild, um es euch im Großformat anzuschauen.
Die orange Linie zeigt die anwachsende Umgebungstemeperatur der nördlichen Hemisphäre, die rote LInie das Wachstum der Weltbevölkerung, dunkelblau das Anwachsen der CO2 Konzentration, dunkelrot darunter der Anstieg des Welt-Bruttoinlandsprodukts, in dunkelgrün nahebei das Ausmaß des Verlustes der Regenwald- und Urwaldflächen, die hellgrüne Kurve, die erst um 1940 beginnt, zeigt das Ausmaß des Artensterbens. Es korrespondiert mit dem Anstieg des Weltpapierverbrauchs (gelb dargestellt). Die schwarze Linie zeigt die Anzahl der genutzten Fahrzeuge. Die Ausbeutung der Fischbestände (hellblau) liegt gleichauf mit dem Ausmaß der Zerstörung der Ozonschicht (hellbeige) und dem rasanten Anstieg der Auslandsinvestionen (dunkelbeige).
Zugegen, das ist ein dicker Brocken. Ein monströses und rasantes Anwachsen des Ressourcenverbrauchs, der Dingwelten, der Auslöschung wesentlicher Teile der Biosphäre. Nie wurde unser Planet in so kurzer Zeit so grundlegend verändert. Aber doch ist es nur eine nüchterne Betrachtung des Wandels der Welt, im Zeitraffer, von 1750 bis ins Jahr 2000.
Derart schnell wachsende Kurven verheißen in wissenschaftlichen Szenarien gemeinhin nichts Gutes. Das irrwitzige exponentielle Wachstum deutet bereits auf den ihm innewohnenden Zusammenbruch hin. Noch können wir ihn nicht sehen, denn er liegt in der Zukunft. Doch auf Phasen ausser Rand und Band geratenen Wachstums folgen Phasen der Schrumpfung – auf ein nachhaltiges Maß.
Endloses Wachstum war mir ehrlich gesagt schon immer suspekt. Wie sollte so etwas gehen? Nunja, es geht nicht, ganz einfach! Eine Grafik reicht, um der Ahnung Gestalt zu geben.
Noch fließt das Wissen, die von allen geteilte Ahnung, nicht in unser tägliches Handeln ein. Wir leben weiter wie bisher, nur stellenweise ein bißchen verhaltener. Uns wird ein wenig mulmig, aber noch geht es. Unsere Regierungen pumpen Milliarden öffentlicher Gelder in ein scheiterndes Finanz- und Wirtschaftssystem, in blanker Angst vor allem, was die aberwitzige Drehzahl unserer Kaufens und Produzierens bremsen könnte. Orientierungslosigkeit allenthalben.
Es fällt so unendlich schwer, sich vorzustellen, dass es ganz anders weitergehen wird. Nicht entlang der alten Rezepte und Formeln.
Kein Wunder, denn unsere Betrachtung zielen zumeist knapp an der eigentlichen Frage vorbei. Denn wenn wir von Werten sprechen, die verloren gehen, so sind es doch immer nur materialle Werte: Geld, Besitz. Doch die eigentlichen Werte bleiben bei einer solchen Betrachtung einmal mehr auf der Strecke.
Was ist wertvoll in meinem Leben? Was ist wichtig - jetzt, hier und möglicherweise sogar ganz allgemein im menschlichen Leben an sich?
Den Blick einmal geschärft für die wahre Dimension menschlicher Bedürfnisse (die eben zu einem großen Teil nicht materieller Natur sind) gelangen wir unversehens direkt ins Herz einer ökologischen Ökonomie, einer Politik des Lebens, einer Welt der Fülle. Doch dazu in einer Woche unter dem Titel „Wirtschaft und Politik neu denken“ mehr!
Der zweite Teil dieses Artikels ist unter dem Titel "Wirtschaft und Politik neu denken" erschienen.



Phasen des Wachstums
Hoppla, dachte ich gerade - seit dem ich auf der Welt bin (1952) geht hier total die Post ab. Aber bedauerlicherweise nicht nur in eine gute Richtung. Leider, denn wie Dirk richtig schreibt, muß jedes nicht natürliche Wachstum automatisch Krisenpotentiale mit sich bringen.
Im Schreck liegt aber auch Hoffnung: Es hat "nur" 50 Jahre gebraucht, die Erde so extrem auszunutzen. Wenn wir mit Lohas, Nachhaltigkeit und neuen Werten gemeinsam daran arbeiten, läßt sich vielleicht in weiteren 50 Jahren Vieles rückgängig machen?! 11.000 Liter Wasser für den Bau eines einzigen Autos ist die eine Schiene - 10 Liter Wasservergeudung bei laufendem Wasserhahn während des Zähneputzens die andere. Tatsächlich sterben aber 5.000 Kinder weltweit durch Verdursten - TÄGLICH!
Deshalb freue ich mich über jede noch so kleine Handlung, über jeden Beitrag und über jede Einsicht, die helfen kann die Welt besser zu machen. Die Population ist enorm gewachsen, seit 1750 - keine Frage und auch nichts dagegen einzuwenden. Logischerweise müssen dann 250 Jahre später diese vielen Menschen auch mehr verbrauchen. Das ist auch okay. Was überhaupt nicht okay ist, ist jede Form von Vergeudung und falscher Verteilung!
Und da kann jeder in seiner kleinen Welt anfangen.
Herzlichst Det
Und ich war 1983 Gast in Westberlin
und kam zurück nach Ostberlin und fast alle sagten zu mir: "Wie kannst du so blöd sein, zurück zu kommen; wie kann man nur!?"
Und ich sagte: "Ist das schlimm da drüben! Dieses Überangebot! Ich möchte da drüben nicht leben! Wie kann ein denkender Mensch dieses Leben aushalten? Sehen die denn keine Zusammenhänge?"
Und dann kam der Westen plötzlich in unsere Läden und wir wurden mit Reklamefluten überschüttet und ich erschrak und fragte mich, ob die Menschen wirklich so beeinflussbar sind, dass sie bloß weil ihnen bunte Bilderberge in die Wohnung geschickt werden, jeden Schei. kaufen. Ja, und es sind viele Menschen so, wie ich gehofft habe, dass sie nicht sind - kurzsichtig.
Und wenigstens in der Schrei(b)gruppe, die ich leite, versuche ich, Weitsicht zu schaffen.
Herzliche Grüße aus Berlin.
Berthild Lorenz
wahrhaftigkeit...
vielen dank für den nächsten schritt in die wahrhaftigkeiten, keine halbwahrheiten mehr, das fühlt sich gut an, bin sehr gespannt auf weiteres und werde mein mögliches dafür tun, alexandra
Ich bin gespannt auf die
Ich bin gespannt auf die Fortsetzung
Kommentar hinzufügen